Freitag, 27. Februar 2026
Sulgen. Die letzten Tage der guten alten Swingo 200 sind angebrochen: Nach über zehn Jahren Einsatz wird die Strassenkehrmaschine durch ein Modell der Marke Kärcher ersetzt. Die Kosten teilen sich die Gemeinden Sulgen, Kradolf-Schönenberg und Erlen zu gleichen Teilen.
Die alte Wischmaschine, welche in den vergangenen Jahren am Werkhof Auholz stationiert war, hat mittlerweile 5250 Arbeitsstunden auf dem Buckel. Das Fahrzeug kam rege zum Einsatz, denn die Nachbargemeinden Erlen, Sulgen und Zihlschlacht mieteten es beziehungsweise wurde die Gemeinde Sulgen nach der Zusammenlegung des Werkhofes mit Kradolf-Schönenberg sogar ebenfalls Besitzerin. Kradolf-Schönenberg hat das Spezialfahrzeug der Marke Aebi Schmidt im Jahre 2015 als Occasion für 126 000 Franken erworben, der Neuwert liegt bei rund 170 000 Franken. Doch nun ist seine Lebensdauer erreicht – zumindest für den auslastenden Einsatz auf einem Werkhof im Dienste mehrerer Gemeinden.
«Die Wischmaschine musste in letzter Zeit immer öfter zur Reparatur», erklärt der Kradolf-Schönenberger Gemeinderat Ralph Altwegg die mit fortschreitendem Alter steigenden Unterhaltskosten. «Darum haben wir entschieden, eine neue anzuschaffen.» Ralph Altwegg, als Gemeinderat Mitglied der Betriebskommission Werkhof, leitete die dafür gegründete Beschaffungskommission. Doch vor der Kaufentscheidung klopfte die Kommission bei den Gemeinden an, welche die Wischmaschine bis anhin gemietet haben. Praktischerweise wollte sich Erlen beteiligen. An den zurückliegenden Gemeindeversammlungen genehmigten die Stimmberechtigten den jeweils für den Kauf beantragten Kredit von 70 000 Franken für die Neuanschaffung. Mit dem nun ausgewählten Modell bleiben die Verantwortlichen aber deutlich unter dem so möglichen Gesamtbetrag von 210 000 Franken.
Die neue Strassenkehrmaschine von Kärcher wird rund 160 000 Franken kosten – abzüglich des Preises für die Rücknahme der alten Swingo bezahlt. Wer online nach ähnlichen Occasionen sucht, sieht Angebote im unteren fünfstelligen Bereich.
Fahrer testeten im Einsatz
Die Kaufauswahl indes erfolgte im Submissionsverfahren. Drei Anbieter lieferten Modelle, welche die Fahrer des Werkhofs mehrere Tage auf Herz und Nieren testeten. «Unter realen Bedingungen», wie Altwegg betont. Die Fahrer nutzten für ihre Bewertung eine Matrix und konnten auch Funktionen testen, die sie bisher noch nicht kannten wie z. B. eine Knicklenkung. Letzten Endes setzten sie auf Allradlenkung mit vier beweglichen Rädern.
Neben der Wendigkeit gab es weitere Kriterien, unter anderem die Reichweite oder die Grösse des Auffangtanks. Elektro- oder Dieselantrieb? Auch das war eine wichtige Frage bei der Evaluation. Letzten Endes setzte die Beschaffungskommission auf fossilen Kraftstoff. Ein Elektrofahrzeug hätte rund 100 000 Franken mehr gekostet – plus weitere Kosten für zusätzliche Ladestationen, welche die beteiligten Gemeinden hätten errichten müssen. «Zudem wäre der Arbeitsalltag der Fahrer komplizierter geworden, weil sie abhängig vom langwierigen Aufladevorgang gewesen wären», erklärt Ralph Altwegg einen weiteren Punkt, der zur Entscheidung für Dieselantrieb führte.
Wie gross ist die Lebensdauer der neuen Strassenkehrmaschine? Die Verantwortlichen gehen davon aus, dass das Kärcher-Modell genauso viele Arbeitsstunden wie das alte leisten wird. Natürlich besteht die Absicht, das Gerät so gut auszulasten wie möglich, so wie in der Vergangenheit. Die Gemeinde Zihlschlacht beispielsweise will das Fahrzeug weiterhin mieten und im Werkhof Auholz abholen, um die eigenen Strassen zu reinigen. Im Vergleich zu anderen Gemeinden, die eine eigene Wischmaschine besitzen, die möglicherweise nicht so oft ubenutzt wird, wird sie also womöglich weniger Jahre auf den Buckel bekommen.
Die richtige Pflege kann die Lebenserwartung allerdings verlängern, weiss der Gemeinderat. Gut, dass Wischmaschinen im Werkhof Auholz in guten Händen sind. Der Unterhalt im Werkhof beinhaltet den täglichen und den wöchentlichen Parkdienst, hier geht es vor allem um die Reinigung von verschiedenen Anbauteilen wie Filter, Saugstutzen oder den Wischgutbehälter. «Einmal im Jahr führt der Hersteller einen grossen Service durch», kündigt Ralph Altwegg an.
Der Kauf ist nun unter Dach und Fach. Doch bis die neue Kärcher im Werkhof steht, dauert es noch ein bisschen. Laut Hersteller beträgt die Lieferzeit für so ein Spezialgerät zwischen drei und vier Monaten. Fest steht jedenfalls, dass die drei Gemeindelogos auf dem Fahrzeug prangen werden – und der Rotmilan als Wappentier des Aachthurlands.
Stefan Böker
