Freitag, 3. Juli 2026

Neukirch an der Thur. Drei Vereine, eine gemeinsame Zukunft: In Neukirch an der Thur bündeln die Turnerinnen und Turner ihre Kräfte. Mit dem historischen Zusammenschluss zum Grossverein setzt die Turnfamilie ein starkes Zeichen für die Region.

Es ist ein Meilenstein für die lokale Sportlandschaft und ein emotionaler Moment für viele Generationen im Dorf. Im März fiel die wegweisende Entscheidung: Die drei eigenständigen Turnvereine in Neukirch an der Thur schlossen sich zu einem einzigen Grossverein zusammen. An der Spitze dieser Bewegung steht Vereinspräsident Tobias Stadler. Für ihn schliesst sich damit auch ein persönlicher Kreis. «Ich bin in Schönholzerswilen in einer Turnerfamilie aufgewachsen und habe als Kind und Jugendlicher schon in Neukirch geturnt», erzählt Stadler. Nach einer mehrjährigen Pause kehrte er 2014 in den Verein zurück, übernahm 2018 das Amt des Aktuars und leitet seit 2023 als Präsident die Geschicke des Vereins. Nun hat er das historische Projekt der Fusion erfolgreich ins Ziel geführt. Die Verantwortlichen spürten, dass die Zeit reif für diesen grossen Schritt war. Die Dynamik im Dorf stimmte, und die Vision eines gemeinsamen Weges trug Früchte. «Für ein solches Projekt ist der richtige Zeitpunkt zentral. Wir waren der Meinung, dass es jetzt passen würde», begründet Stadler den finalen Ausschlag für den kompletten Zusammenschluss.

Pionier im Kanton

Hinter dem Entscheid stehen handfeste organisatorische Vorteile. Bisher bedeutete das Älterwerden im Verein oft einen harten Schnitt und den Wechsel in eine komplett neue Organisationsstruktur. Dieses Problem gehört nun der Vergangenheit an. «Der wichtigste Punkt ist wohl die Durchgängigkeit», erklärt Tobias Stadler. Er sieht den Nutzen direkt an seiner eigenen Biografie: «Ich selbst gehöre altersmässig bald zur Kategorie 35+. Früher wäre dann der Austritt aus dem STV und der Eintritt in die Männerriege zum Thema geworden. Jetzt bleibe ich im STV und kann in kleinen Schritten zur älteren Turnkategorie wechseln.»

Mit dieser zukunftsweisenden Struktur gilt der STV Neukirch im Kanton als echter Pionier. Während andere Gemeinden noch zögern, ging man an der Thur mutig voran. Dass nicht alle Vereine sofort nachziehen, versteht Stadler gut: «Jeder Verein ist in einer anderen Situation, zum Beispiel mit unterschiedlichen Mitgliederzahlen oder Traditionen. Nicht für alle scheint eine Fusion zu passen.» In Neukirch mussten im Vorfeld der Fusion intensive Debatten geführt werden. Immerhin blickten die Riegen auf eine jahrzehntelange, erfolgreiche Eigenständigkeit zurück. «In den letzten 50 Jahren haben sich die Vereine einfach unterschiedlich entwickelt und diese Systeme funktionierten ja auch. Bei einer Fusion müssen dann einige Dinge losgelassen werden, andere leben im neuen Gebilde weiter», blickt Stadler auf die Diskussionsprozesse zurück. Besonders wichtig war es, die Vorbehalte der älteren Mitglieder aus der Männerriege und dem Frauenturnverein ernst zu nehmen. In der Praxis ändert sich für sie kaum etwas, da die gewohnten Anlässe bestehen bleiben. Die Anpassungen betreffen vor allem die Administration im Hintergrund. Dennoch blieb die Anspannung vor den entscheidenden Versammlungen gross: «Schlussendlich weiss man nie genau, wie sich die Mitglieder entscheiden.»

Familiär trotz neuer Grösse

Die Jugendriege mit ihren 150 Kindern wird vom Zusammenschluss im Alltag wenig spüren, da der Austausch bei den Leitern bereits vorher eng war. Die Erwachsenenabteilung wächst dagegen auf eine stattliche Grösse von über 180 Mitglieder an. Damit das vertraute, familiäre Gefühl bei dieser Vereinsgrösse nicht verloren geht, setzt der STV Neukirch auf das verbindende Element der Gemeinschaft. Ein erstes grosses Highlight steht bereits fest: «Ein Beispiel ist unser Helfereinsatz an der Bundesfeier in Kradolf-Schönenberg. Es haben sich Mitglieder aus allen Altersgruppen freiwillig gemeldet und sie werden nun zusammen im Einsatz sein. So lernt man sich besser kennen.» Auch der Thurgauer Turnverband schaut mit grosser Anerkennung auf das Neukircher Modell. Als starkes Zeichen des Respekts besuchte die Verbandspräsidentin Karin König-Ess die allererste Versammlung des fusionierten Vereins. Sportlich und gesellschaftlich hat der Grossverein grosse Pläne für das laufende Jahr. «Wir möchten diese Turnsaison mit einem überzeugenden Auftritt am Turnfest in Islikon abschliessen», betont Stadler. Nach den Sommerferien folgt dann der Start der neuen Trainingskonzepte für die Generation 30+, die aktuell im Hintergrund finalisiert werden.

Spezielle Schnuppertage wird es nach den Ferien nicht geben, denn Neukirch setzt auf offene Türen im ganz normalen Turnbetrieb. «Grundsätzlich haben wir für alle Altersgruppen und Interessen ein passendes Turnangebot», hält der Präsident fest. Interessierte können jederzeit in den regulären Trainings vorbeischauen und die Atmosphäre auf sich wirken lassen. Wichtig sei dabei nur, im Vorfeld kurz Kontakt mit jemandem aus dem Verein aufzunehmen.

Der Blick des Präsidenten reicht aber bereits viel weiter in die Zukunft. Seine Vision für die kommenden fünf Jahre ist klar definiert und emotional aufgeladen: «In fünf Jahren ist das nächste Eidgenössische Turnfest. Der STV Neukirch an der Thur soll dann mit einer riesigen Gruppe aller Alterskategorien teilnehmen und gemeinsam ein unvergessliches Turnfest erleben.»

Benjamin Schmid