Freitag, 28. August 2026

Gutbertshausen/Götighofen. Während andernorts im Thurgau bereits gewümmet wird, hängen die Trauben bei Huberwein noch an den Reben. Erst ab Montag beginnt die Ernte. Die spätere Reife ist für die Winzerfamilie aus Gutbertshausen kein Nachteil – im Gegenteil.

Das sei jedes Jahr so, sagt Roger Huber, Mitinhaber des Weinguts im kleinen Weiler Gutbertshausen, der zu Götighofen gehört. «Wir beginnen jedes Jahr mindestens eine Woche später mit der Wümmet als zum Beispiel die Weinbauern am Ottenberg.» Zum Familienbetrieb gehören neben Roger Huber auch seine Erau Carmen sowie sein Vater Christian und dessen Lebenspartnerin Heidi Conradt. Sie bewirtschaften zwei Weinberge auf Sulger Gemeindegebiet, den «Hohfels» in Gutbertshausen und die «Schützenhalde», oberhalb des Naturschutzgebiets Weinmoos in Sulgen. «Unsere Weinberge sind flacher», erklärt Roger Huber den Grund, «das bedeutet, die Sonneneinstrahlung ist nicht so intensiv.» Das sei aber auch gut so, vor allem für den Weisswein. Denn je länger die Trauben Zeit haben zu reifen, desto stärker seien die Aromen.

Sieben Sorten

Sieben Sorten bauen die Hubers auf insgesamt über drei Hektaren an. Darunter sind hauptsächlich weisse Trauben wie Riesling-Silvaner und Chardonnay, aber auch die roten Pinot Noir und Cabernet Dorsa. «Unsere Reben haben die extreme Trockenheit in diesem Sommer gut verkraftet», sagt Christian Huber, der den ehemaligen Obstbaubetrieb in Gutbertshausen 2012 übernahm und schon 2013 den ersten Wein produzierte. «Obwohl wir nicht bewässern.»

Der Boden im «Hohfels» sei schwerer als der auf der Schützenhalde. Dort seien bei Jungpflanzen vereinzelt Stressmerkmale aufgetreten wie vertrocknete Blätter. Auf der Schützenhalde stehen vierjährige Rebstöcke, die zum ersten Mal geerntet werden, und am westlichen Rand des Weinberges sogar Rebstöcke, die erst in diesem Jahr gesetzt wurden. «Deren Wurzeln sind noch nicht so weit ausgeprägt, dass sie tief in die Erde reichen», erklärt Christian Huber.

Eine grössere Herausforderung war die extreme Hitze. Alle neuen Reben werden bei Huberwein mit Hagelnetzen geschützt. Diese federn die Kraft der Sonne etwas ab, mutmasst der Patron. Die Hitze liess den Zuckergehalt der Trauben rasch steigen, während Säure und physiologische Reife nicht immer mithalten konnten. «Zu wenig Säure führt zu einem schweren, alkoholreichen Weiss-wein – und wir wollen das Gegenteil», erklärt sein Sohn Roger.

Die Familie habe die Erfahrung gemacht, dass vor allem der Riesling-Silvaner seine Mühe hat mit heissen Sommern.

«Piwis» sind die Zukunft

Das Weingut Huber setzt darum auf robustere Sorten, die zudem pilzwiderstandsfähig sind wie Souvignier Gris und Divico. «Unsere Piwis», nennt sie Christian Huber, «sie sind die Zukunft.»

Erfahrungen im Umgang mit Hitze hat die Familie auch in Italien gesammelt. Seit 2016 besitzt sie ein sechs Hektaren grosses Weingut im Piemont, wo das Klima noch wärmer ist. Christian Huber setzt deshalb auch in Gutbertshausen auf eine entsprechende Bodenbearbeitung.Mit der Spatenmaschine öffnet Christian Huber im Winter den Boden. So gelangt das Wasser leichter in tiefere Schichten und es verdunstet nicht so schnell. Unter dem Jahr wird der Boden unter den Reben immer wieder gelockert. «Andere Bauern machen das nicht», sagt er. «Dort wächst Gras an dieser Stelle.»

In einem guten Jahr erntet die Familie rund zehn Tonnen Trauben pro Hektar. Dieses Jahr dürfte es weniger sein. Beim Rebumgang auf der Schützenhalde darf man Trauben abzupfen und probieren. Sie schmecken süss und aromatisch. «Sehr gesund», sagt Roger Huber. «Aber sie hängen nicht so voll wie in vergangenen Jahren.» Ab einer gewissen Hitze stellt die Pflanze die Arbeit nämlich kurzzeitig ein. Und weniger Wasser bedeutet auch, dass die Pflanze weniger Energie für ihre Früchte hat. «Im Hitzesommer 2018 war dieser Effekt nicht so ausgeprägt, denn damals regnete es im Frühling viel», erinnert sich sein Vater. Für die Zukunft könnte er sich darum vorstellen, ein Bewässerungssystem zu installieren. «Andere Weinbauern benutzen das schon.»

Nun freut sich die Winzerfamilie auf das Highlight des Jahres: die Wümmet. Zahlreiche Freunde und Bekannte helfen freiwillig mit; insgesamt rund 30 Personen. Organisiert wird die Erntetruppe über einen Gruppenchat. «Es ist ein richtiger sozialer Event geworden», freut sich Carmen Huber. Und was könnte jetzt noch schief gehen? «Nicht viel», sagen die Hubers. Nur Starkregen oder Hagel könnten den gesunden Trauben jetzt noch einen Strich durch die Recherstennung machen.

Stefan Böker

Wer die Weine der Familie Huber kennenlernen will, kann jeden ersten Freitag im Monat von 17 bis 22 Uhr zur Degustation in die Weinbar nach Gutbertshausen kommen. Eine Reservation wird empfohlen. Der Weinladen hat samstags von 9 bis 12 Uhr geöffnet. www.huberwein.ch