Freitag, 28. November 2025

Sulgen. Die Politische Gemeinde Sulgen senkt ihren Steuerfuss auf den 1. Januar 2026 von 50 auf 47 Prozent. Gemeindepräsident Andreas Opprecht zeigte sich am Montagabend an der gut besuchten Gemeindeversammlung im Auholzsaal erfreut, dass die Steuerfusssenkung einstimmig genehmigt wurde.

Auch zu den weiteren Vorlagen gab es keine Gegenstimmen. Neben dem Budget für das kommende Jahr 2026 wurde auch das neue Flur- und Waldstrassenreglement und der Kredit von 1,56 Millionen Franken für die Sanierung der Bühlstrasse und der darin enthaltenen Werk- und Wasserleitungen einstimmig genehmigt. In geheimer Abstimmung wurden auch die beiden Einbürgerungen genehmigt: Jene von Marco Berndt mit 112 Ja gegen 32 und jene von Leonita Maksutaj Curraj mit 109 Ja zu 36 Nein-Stimmen.

2025 eine «schwarze Null»

Dass die Rechnung für das laufende Jahr 2025 voraussichtlich statt des budgetierten Defizits von 300 000 Franken mit einer «schwarzen Null» abschliessen wird, war einer der Gründe, die den Sulger Gemeinderat dazu bewogen haben, das «Wagnis» einer Steuerfusssenkung um drei Prozent einzugehen. Mit dem angepassten Steuerfuss rechnet das Budget 2026 mit einem Fehlbetrag von 600 000 Franken. Mit dem vorhandenen Eigenkapital von 4,79 Millionen Franken kann ein allfällig eintretender Verlust – so der Gemeinderat in seiner Botschaft an die Stimmberechtigten – «vorübergehend aufgefangen» werden.

«Wir hoffen, dass wir den gesenkten Steuerfuss von 47 Prozent halten können», erklärte Gemeindepräsident Andreas Opprecht an der Versammlung. Aufgrund der regen Wohnbautätigkeit geht der Gemeinderat von einer steigenden Steuerkraft aus und hofft, damit die Steuerausfälle, die sich in den nächsten Jahren durch die in kantonalen und eidgenössischen Volksabstimmungen beschlossene Abschaffung der Liegenschaftensteuer und der Besteuerung des Eigenmietwerts, auffangen zu können. Bereits im laufenden Jahr 2025 dürften die Steuereinnahmen über den Budget­erwartungen liegen. Die steigende Steuerkraft hat andererseits aber dazu geführt, dass die Gemeinde Sulgen bereits im laufenden Jahr ohne die Einnahmen aus dem kantonalen Finanzausgleich auskommen muss. Auch im Budget 2026 wird nicht mehr mit einem Beitrag aus dem Finanzausgleich gerechnet.

Anschaulich erklärte der Gemeindepräsident Opprecht, dass der Steuerfuss nur einer der Faktoren für die Standortattraktivität einer Gemeinde sei: «Mit 47 Prozent werden wir im Bezirk Weinfelden neu den zweiten Platz belegen, aber auch bei den Gebühren gehört Sulgen zu den kostengünstigsten Gemeinden des Bezirks.» Vor Augen geführt und belegt wurde das durch einen Vergleich der Gebühren für Wasser, Abwasser und Strom. Opprecht wies darauf hin, dass die gute Situation nicht von ungefähr komme. Schon vor 20 Jahren sei die Gemeinde Sulgen gut «dagestanden» und der Gemeinderat wolle dazu beitragen, dass das auch in 20 Jahren noch so sei. Das könne aber nur mit Unterstützung der Stimmberechtigten geschehen. «Ich erhoffe mir, dass wir auch dann eine so hohe Zustimmung haben würden, wenn es nötig sein sollte, den Steuerfuss zu erhöhen», meinte der sichtlich zufriedene Gemeindepräsident Andreas Opprecht, bevor er das Wort für das nächste Traktandum an seinen Vize Werner Hermann weitergab.

Lediglich eine Wortmeldung

Aus der Versammlung gab es zu den traktandierten Geschäften den ganzen Abend lediglich eine Wortmeldung. Zur Sanierung der Bühlstrasse bezweifelte ein Stimmberechtigter, dass die Verlängerung des Trottoirs viel zur Verkehrssicherheit beitrage. Mehr würde er sich davon versprechen, wenn verhindert werden könnte, dass die Strasse als unerlaubte Zufahrt ins Industriegebiet und zur Kartbahn genutzt werde.

Ernst Ritzi